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Impulsgedanken zum Evangelium an Pfingsten

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Um Pfingsten herum wurden nicht selten Straßenumfragen veröffentlicht, bei denen Passanten gefragt wurden, was denn an Pfingsten gefeiert wird. Die Buntheit der Antworten war teils komisch, teils schockierend, teils tief traurig. Mit einem Schmunzeln wurde einem deutlich, dass es eine kirchlich-religiöse Selbstverständlichkeit nicht mehr gibt (wenn es sie denn überhaupt je gab), und dass eine „Erosion des Glaubens" nicht erst noch bevor steht, sondern die Lawine bereits losgetreten ist. Für den Großteil ist Pfingsten verbunden mit Ferien, Vorsommer und Strand-Feeling - unabhängig vom Festgeheimnis dieses Tages.
Darf man als Ehrenrettung aber anfügen, dass Pfingsten, das Fest der Sendung des Heiligen Geistes, es aber bei Gott auch nicht einfach macht? Am Geist kann man sich die Zähne ausbeißen: Die Heilige Schrift verwendet Bilder wie die Feuerzungen, die auf die versammelten und verängstlichten Jünger niedergehen und sie plötzlich in fremden Sprachen und Zungen reden können; es ist vom Hauch die Rede, mit dem der Auferstandene die Jünger anhaucht, belebt und beauftragt; das Alte Testament nennt Sturm, Wind und das leise Säuseln als Belege für den Geist. Allen ist gemein, dass dieser „Geist" etwas bewirkt und nicht tatenlos ist; aber es ist auch allen Bildern gemein, dass sich dieser „Geist" nicht fassen lässt, sondern sich entzieht.
Die Schilderung zu Beginn der Apostelgeschichte über die Ausgießung des Heiligen Geistes, der wie in Feuerzungen auf die hinter Tür und Riegel verschlossenen Jünger niederging, klingt im ersten Moment wie ein frommer Betrug. Dabei zeigen uns gerade die Details, dass das unfassbare Phänomen „Heiliger Geist" gerade nicht aus der Versammlung kommt, sondern ihr von außen gegeben, eingegossen, eingepflanzt wird. Es ist - lassen Sie mich das mit einem Augenzwinkern sagen! - kein Ergebnis von Nachdenken und Sinnieren aufgrund einer Krisensituation, bei der sich die Jüngerinnen und Jünger gefragt haben, was sollen wir tun, wie machen wir bloß weiter. Nein, sie hatten Angst, sie hatten keine Idee, wie es weitergehen kann, sie waren ratlos und tatenlos. Und erst diese Leere hat Platz gemacht für die Qualität die eben nicht von innen, sondern von außen kommt! Erst dadurch wird dieser Geist zum Heiligen Geist, indem er verbindet und sich als wirkmächtig erweist: „Wieso kann sie ein jeder von uns in seiner Muttersprache hören?" (Apg 2,8).
Heiliger Geist ist Gottes Geist, er kommt von außen aber schreibt weiter, was Gott in der Schöpfung und in der Sendung seines Sohnes mit der Welt begonnen hat: Dass Gott verborgen aber gegenwärtig bleibt. Verstehen wir es doch wie eine Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen, dessen Ende noch nicht erreicht ist, solange noch ein Mensch auf dieser Welt atmet und lebt.
Dieser Gedanke, dass der Heilige Geist nur da eintreten kann, wo Raum und eine Leere herrscht und wo überhaupt auch nur ein Bedürfnis nach ihm besteht, mag uns das hohe Pfingstfest mit allen seinen Schwierigkeiten und Klippen über die Unfassbarkeit des Geistes doch ein wenig erschließen. Aber natürlich schließt sich die existentielle Frage an, ob das eigene christliche Leben überhaupt eine Lücke oder Leere zulässt, die von außen gefüllt werden kann oder überhaupt gefüllt werden soll.
Gleich welche Antwort Sie auf diese Frage haben, ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben gesegnete und schöne Pfingsten!
Ihr Florian Störzer